Katrin und Malte: Der Anhalter

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Katrin und Malte: Es gibt viele Möwen.

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Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 266 Wörter
Umfang
266 WörterMalte · Katrin
Figur
w + m · 2 Personen
Spielalter
ca. 16–50redaktionelle Einschätzung
Tonlage
angespannternst & dramatisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen
Eine gewählte Rolle wird im PDF hervorgehoben.

(Ein Kleinwagen auf einem Autobahnparkplatz, nachts. Der Motor ist aus. Am Steuer sitzt Katrin, Anfang vierzig. Auf dem Beifahrersitz Malte, siebzehn, den Rucksack auf dem Schoß. Sie hat ihn vor einer Stunde an einer Tankstelle mitgenommen.)

Malte

Warum halten wir?

Stichwort: „Warum halten wir?“

Katrin

Ich muss mal kurz die Augen zumachen.

Stichwort: „… muss mal kurz die Augen zumachen.“

Malte

Hier?

Stichwort: „Hier?“

Katrin

Ich fahr seit sechs Stunden. Fünf Minuten.

Stichwort: „… fahr seit sechs Stunden. Fünf Minuten.“

(Pause. Sie macht die Augen nicht zu.)

Katrin

Hamburg also.

Stichwort: „Hamburg also.“

Malte

Hab ich doch gesagt.

Stichwort: „Hab ich doch gesagt.“

Katrin

Zu deinem Vater.

Stichwort: „Zu deinem Vater.“

Malte

Ja.

Stichwort: „Ja.“

Katrin

Weiß der, dass du kommst?

Stichwort: „Weiß der, dass du kommst?“

Malte

Das wird eine Überraschung.

Stichwort: „Das wird eine Überraschung.“

Katrin

Für wen?

Stichwort: „Für wen?“

(Malte antwortet nicht. Er zieht die Kapuze tiefer.)

Katrin

Im Radio kam vorhin was. Nach den Verkehrsmeldungen, als du geschlafen hast. Die Polizei sucht einen Siebzehnjährigen aus Kassel. Seit Dienstag. Graue Kapuzenjacke. Blauer Rucksack mit einem Aufnäher. (Sie sieht auf den Rucksack.) Eine Möwe.

Stichwort: „… Rucksack mit einem Aufnäher. Eine Möwe.“

Malte

Es gibt viele Möwen.

Stichwort: „Es gibt viele Möwen.“

Katrin

In Kassel nicht so viele.

Stichwort: „In Kassel nicht so viele.“

(Malte greift nach dem Türgriff. Die Tür ist verriegelt.)

Malte

Machen Sie auf.

Stichwort: „Machen Sie auf.“

Katrin

Gleich.

Stichwort: „Gleich.“

Malte

Machen Sie die Tür auf, oder ich schrei.

Stichwort: „… die Tür auf, oder ich schrei.“

Katrin

Auf einem leeren Parkplatz um zwei Uhr nachts. Das hört nur die Möwe.

Stichwort: „… nachts. Das hört nur die Möwe.“

(Pause. Sie entriegelt die Tür. Klick. Er bleibt sitzen.)

Katrin

Du kannst gehen. Ich halt dich nicht fest.

Stichwort: „… gehen. Ich halt dich nicht fest.“

Malte

Und dann rufen Sie an.

Stichwort: „Und dann rufen Sie an.“

Katrin

Dann ruf ich an. Ja. Weil irgendwo in Kassel eine Frau seit Dienstag neben dem Telefon sitzt. Ich weiß, wie das ist. Meine Tochter war vier Tage weg, da war sie fünfzehn. Vier Tage. Ich hab nicht geschlafen, ich hab nichts gegessen, ich hab jeden Abend ihr Bett frisch bezogen, damit es frisch ist, wenn sie kommt.

Stichwort: „… es frisch ist, wenn sie kommt.“

Malte

Und? Ist sie gekommen?

Stichwort: „Und? Ist sie gekommen?“

Katrin

Sie war bei ihrem Freund. Zwei Straßen weiter. (Ein kurzes Lachen.) Ich hab sie trotzdem umarmt, bis sie keine Luft mehr gekriegt hat.

Stichwort: „… sie keine Luft mehr gekriegt hat.“

(Lange Pause. Malte sieht aus dem Fenster.)

Malte

Mein Vater weiß nicht, dass ich komme, weil er seit drei Jahren nicht ans Telefon geht.

Stichwort: „… drei Jahren nicht ans Telefon geht.“

Katrin

Dann ist er nicht derjenige, der jetzt wach liegt.

Stichwort: „… nicht derjenige, der jetzt wach liegt.“

(Sie holt ihr Handy heraus und hält es ihm hin.)

Katrin

Ruf deine Mutter an. Nur sagen, dass du lebst. Und dann fahr ich dich nach Hamburg. Versprochen.

Stichwort: „… fahr ich dich nach Hamburg. Versprochen.“

Malte

Und wenn er wieder nicht aufmacht?

Stichwort: „Und wenn er wieder nicht aufmacht?“

Katrin

Dann fahr ich dich zurück. (Pause.) Kassel liegt sowieso auf meinem Weg.

Stichwort: „… Kassel liegt sowieso auf meinem Weg.“

Malte (nimmt das Handy)

Sie wollten gar nicht nach Hamburg, oder?

Stichwort: „… wollten gar nicht nach Hamburg, oder?“

Katrin

Nein. Nach München.

Stichwort: „Nein. Nach München.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Katrin hat ein klares Spielziel: der Anruf. Ihre Versuche wechseln von Druck zu Offenheit.
  • Malte spricht wenig. Sein Schweigen ist sein Widerstand.
  • Das Entriegeln der Tür ist der Wendepunkt: Katrin gibt die Kontrolle ab und gewinnt damit sein Vertrauen.
  • Für die Kamera: zwei Autositze nebeneinander, Blicke nach vorn durch die Scheibe und nur selten zur Seite.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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