- Bist du aus einem Traum erwacht, und hat
- Der schöne Trug auf einmal dich verlassen?
- Hat dich nach einem Tag der höchsten Lust
- Ein Schlaf gebändigt, hält und ängstet nun
- Mit schweren Fesseln deine Seele? Ja,
- Du wachst und träumst. Wo sind die Stunden hin,
- Die um dein Haupt mit Blumenkränzen spielten?
- Die Tage, wo dein Geist mit freier Sehnsucht
- Des Himmels ausgespanntes Blau durchdrang?
- Und dennoch lebst du noch, und fühlst dich an,
- Du fühlst dich an, und weißt nicht ob du lebst.
- Ist’s meine Schuld, ist’s eines andern Schuld,
- Dass ich mich nun als schuldig hier befinde?
- Hab’ ich verbrochen, dass ich leiden soll?
- Ist nicht mein ganzer Fehler ein Verdienst?
- Ich sah ihn an, und ward vom guten Willen,
- Vom Hoffnungswahn des Herzens übereilt:
- Der sei ein Mensch, der menschlich Ansehn trägt.
- Ich ging mit off’nen Armen auf ihn los,
- Und fühlte Schloss und Riegel, keine Brust.
- O hatt’ ich doch so klug mir ausgedacht,
- Wie ich den Mann empfangen wollte, der
- Von alten Zeiten mir verdächtig war!
- Allein was immer dir begegnet sei,
- So halte dich an der Gewissheit fest:
- Ich habe sie gesehn! Sie stand vor mir!
- Sie sprach zu mir, ich habe sie vernommen!
- Der Blick, der Ton, der Worte holder Sinn,
- Sie sind auf ewig mein, es raubt sie nicht
- Die Zeit, das Schicksal, noch das wilde Glück,
- Und hob mein Geist sich da zu schnell empor,
- Und ließ ich allzu rasch in meinem Busen
- Der Flamme Luft, die mich nun selbst verzehrt,
- So kann mich’s nicht gereun, und wäre selbst
- Auf ewig das Geschick des Lebens hin.
- Ich widmete mich ihr, und folgte froh
- Dem Winke, der mich in’s Verderben rief.
- Es sei! So hab’ ich mich doch wert gezeigt
- Des köstlichen Vertrauns, das mich erquickt,
- In dieser Stunde selbst erquickt, die mir
- Die schwarze Pforte langer Trauerzeit
- Gewaltsam öffnet. — Ja, nun ist’s getan!
- Es geht die Sonne mir der schönsten Gunst
- Auf einmal unter; seinen holden Blick
- Entziehet mir der Fürst, und lässt mich hier
- Auf düstrem, schmalen Pfad verloren stehn.
- Das hässliche zweideutige Geflügel,
- Das leidige Gefolg’ der alten Nacht,
- Es schwärmt hervor und schwirrt mir um das Haupt.
- Wohin, wohin beweg’ ich meinen Schritt?
- Dem Ekel zu entfliehn, der mich umsaust,
- Dem Abgrund zu entgehn, der vor mir liegt?
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