Becker und Niko: Das Verhör

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Becker und Niko: Das Verhör

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Dauer
ca. 3,5 Mingeschätzt, 419 Wörter
Umfang
419 WörterBecker · Niko
Figur
w + offen · 2 Personen
Spielalter
ca. 21–55redaktionelle Einschätzung
Tonlage
beherrschternst & dramatisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen
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(Ein Vernehmungsraum in der Nacht. Kommissarin Becker, Mitte vierzig, setzt sich. Ihr gegenüber Niko, zweiundzwanzig, in Kapuzenjacke, die Hände im Schoß. Auf dem Tisch ein Beweisbeutel mit einem Schlüsselbund.)

Becker

Ihr Schlüssel?

Stichwort: „Ihr Schlüssel?“

Niko

Sieht so aus.

Stichwort: „Sieht so aus.“

Becker

Mit einem Anhänger vom Freibad Süd.

Stichwort: „Mit einem Anhänger vom Freibad Süd.“

Niko

Da war ich als Kind.

Stichwort: „Da war ich als Kind.“

Becker

Der Anhänger ist von diesem Sommer. Saisonkarte.

Stichwort: „… Anhänger ist von diesem Sommer. Saisonkarte.“

Niko

Dann war ich diesen Sommer da. Ist das verboten?

Stichwort: „… diesen Sommer da. Ist das verboten?“

Becker

Gefunden haben wir ihn im Lager vom Getränkemarkt an der Ringstraße. Hinter der Tür, die letzte Nacht aufgebrochen wurde.

Stichwort: „… Tür, die letzte Nacht aufgebrochen wurde.“

Niko

Den hab ich verloren.

Stichwort: „Den hab ich verloren.“

Becker

Wann?

Stichwort: „Wann?“

Niko

Weiß nicht. Letzte Woche.

Stichwort: „Weiß nicht. Letzte Woche.“

Becker

Heute früh um acht sind Sie nach Hause gekommen und haben Ihre Wohnungstür aufgeschlossen. Ihre Nachbarin hat das gehört. Sie hat sich beschwert, weil Sie so lange am Schloss herumprobiert haben.

Stichwort: „… so lange am Schloss herumprobiert haben.“

Niko

Die beschwert sich über alles.

Stichwort: „Die beschwert sich über alles.“

Becker

Mit welchem Schlüssel haben Sie heute aufgeschlossen, Niko?

Stichwort: „… Schlüssel haben Sie heute aufgeschlossen, Niko?“

(Niko antwortet nicht.)

Becker

Mit dem von Ihrem Bruder.

Stichwort: „Mit dem von Ihrem Bruder.“

Niko

Lassen Sie Tim da raus.

Stichwort: „Lassen Sie Tim da raus.“

Becker

Ich hab Tim gar nicht reingebracht.

Stichwort: „Ich hab Tim gar nicht reingebracht.“

(Pause.)

Niko

Ich war das. Ich hab die Tür aufgemacht. Ich hab die Kisten rausgetragen. Schreiben Sie das auf.

Stichwort: „… Kisten rausgetragen. Schreiben Sie das auf.“

Becker

Wie viele Kisten?

Stichwort: „Wie viele Kisten?“

Niko

Weiß ich nicht mehr. Zehn.

Stichwort: „Weiß ich nicht mehr. Zehn.“

Becker

Was war drin?

Stichwort: „Was war drin?“

Niko

Bier.

Stichwort: „Bier.“

Becker

Energydrinks. Und die Kasse aus dem Büro.

Stichwort: „… Und die Kasse aus dem Büro.“

Niko

Dann eben Energydrinks.

Stichwort: „Dann eben Energydrinks.“

Becker

Und wie haben Sie die Kasse aufbekommen? Die ist mit einem Code gesichert. Den kennen drei Leute. Die Filialleiterin, ihr Stellvertreter und eine Aushilfe, die da seit Mai arbeitet. Mittwochs und freitags.

Stichwort: „… seit Mai arbeitet. Mittwochs und freitags.“

(Lange Pause.)

Niko

Tim ist sechzehn.

Stichwort: „Tim ist sechzehn.“

Becker

Ich weiß.

Stichwort: „Ich weiß.“

Niko

Wenn der jetzt was kriegt, ist die Lehrstelle weg. Die haben ihn sowieso nur genommen, weil der Meister unseren Vater kannte.

Stichwort: „… weil der Meister unseren Vater kannte.“

Becker

Und Sie?

Stichwort: „Und Sie?“

Niko

Bei mir ist eh schon alles vorbei. Bei mir merkt das keiner.

Stichwort: „… vorbei. Bei mir merkt das keiner.“

Becker

Ich merk das.

Stichwort: „Ich merk das.“

Niko

Sie müssen das ja.

Stichwort: „Sie müssen das ja.“

(Becker schiebt den Beweisbeutel zur Seite.)

Becker

Wissen Sie, was ich nicht verstehe? Ihr Schlüssel lag im Lager. Das heißt, Tim hatte ihn dabei. Entweder wollte er, dass man Sie findet. Oder er hat nicht nachgedacht. Ich weiß nicht, was davon schlimmer ist.

Stichwort: „… weiß nicht, was davon schlimmer ist.“

Niko

Er hat nicht nachgedacht. Er denkt nie nach. Das ist ja das Problem. Deswegen bin ich doch hier.

Stichwort: „… Problem. Deswegen bin ich doch hier.“

Becker

Er ist sechzehn. Für einen Sechzehnjährigen gilt vor Gericht das Jugendstrafrecht. Für Sie nicht mehr. Das wissen Sie hoffentlich.

Stichwort: „… nicht mehr. Das wissen Sie hoffentlich.“

(Niko sieht auf.)

Niko

Was soll das heißen?

Stichwort: „Was soll das heißen?“

Becker

Das heißt, Sie lügen mich gerade an, um ihn vor etwas zu schützen, das für ihn kleiner ist als das, was Ihnen passiert, wenn ich Ihnen glaube.

Stichwort: „… Ihnen passiert, wenn ich Ihnen glaube.“

(Pause.)

Niko

Und wenn ich bei meiner Aussage bleibe?

Stichwort: „… wenn ich bei meiner Aussage bleibe?“

Becker

Dann schreib ich sie auf. Und morgen früh sitzt Tim hier. Auf diesem Stuhl. Und erzählt mir alles.

Stichwort: „… diesem Stuhl. Und erzählt mir alles.“

Niko

Der erzählt gar nichts.

Stichwort: „Der erzählt gar nichts.“

Becker

Doch. Die erzählen alle. Die Jüngeren am schnellsten.

Stichwort: „… erzählen alle. Die Jüngeren am schnellsten.“

(Lange Stille. Niko legt die Hände auf den Tisch.)

Niko

Er hat die Kasse aufgemacht. Ich hab draußen gewartet. Ich hab ihm gesagt, er soll das lassen.

Stichwort: „… ihm gesagt, er soll das lassen.“

Becker

Draußen.

Stichwort: „Draußen.“

Niko

Im Auto. Ich bin gefahren. Das stimmt. Das war ich.

Stichwort: „… gefahren. Das stimmt. Das war ich.“

(Becker nimmt den Stift.)

Becker

Dann fangen wir noch mal von vorn an. Diesmal mit dem Auto.

Stichwort: „… vorn an. Diesmal mit dem Auto.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Das Verhör ist ein Kampf um den Status. Becker hat die Macht des Amts, Niko die Macht des Schweigens. Beide wechseln die Position mehrmals.
  • Becker deckt ihre Karten einzeln auf: Schlüssel, Nachbarin, Bruder, Code. Jede Information muss bei Niko ankommen, bevor die nächste kommt.
  • Nikos Geständnis am Anfang ist zu schnell. Das merkt Becker sofort, und das Publikum soll es auch merken.
  • Für eine Kamerafassung reicht ein Tisch. Spielt nah und leise; die Spannung liegt in den Pausen.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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