(Ein Klassenzimmer der vierten Klasse. Mika steht vorne neben der Tafel und hält ein zusammengerolltes, nasses Plakat. Die Klasse sitzt im Halbkreis.)
Mein Referat ist über mein Vorbild. Mein Vorbild ist eine Astronautin. Ich hab ein Plakat gemacht. Mit Glitzer. Und mit einem Foto von der Erde von oben, das hab ich ausgedruckt.
(Mika rollt das Plakat auf. Es ist durchgeweicht, der Glitzer verlaufen.)
Das ist in eine Pfütze gefallen. Vor der Schule. Weil Jonas mich geschubst hat. (Zur Lehrerin.) Ich sag das nur, weil es stimmt, Frau Liebig. Nicht zum Petzen.
Hier ist die Erde. Die sieht man jetzt nicht mehr so gut. Die ist jetzt eher braun. Aber das ist ja auch eine Erde.
(Mika lässt das Plakat sinken.)
Ich weiß eigentlich nicht so viel über Astronautinnen. Ich weiß, dass die im Weltall schweben und dass die Tränen da nicht runterlaufen, sondern am Auge kleben bleiben. Das hab ich im Fernsehen gesehen. Das fand ich traurig. Wenn man weint, und es geht nicht weg.
Darf ich über ein anderes Vorbild reden? (Wartet.) Danke.
Mein anderes Vorbild ist meine Oma. Die ist keine Astronautin. Die wohnt bei uns, seit Opa tot ist. Die kann alles reparieren, sogar die Spülmaschine, und sie kann mit zwei Fingern pfeifen, so laut, dass die Tauben vom Dach wegfliegen.
Und wenn ich nachts nicht schlafen kann, dann setzt sie sich an mein Bett und erzählt mir, wie die Erde von oben aussieht. Sie war da nie. Aber sie erzählt das so, als wäre sie da gewesen. Blau, sagt sie, und ganz still, und man sieht keine Grenzen.
(Pause. Mika sieht auf das nasse Plakat.)
Ich glaub, deswegen wollte ich das Referat über Astronautinnen machen. Weil Oma das so schön erzählt.
(Zur Klasse.) Hat jemand Fragen? (Pause.) Jonas? (Pause.) Nein, Jonas, du darfst das Plakat nicht anfassen. Das muss trocknen.
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