(Ein Probenraum einer Schauspielschule. Hinter einem Tisch drei leere Stühle, darauf Wasserflaschen und ein Stapel Bewerbungsbögen. Lea, neunzehn, steht noch auf der Markierung am Boden. Die Kommission ist zur Beratung hinausgegangen.)
„Danke, das reicht.“ Vierzig Sekunden. Ich hab mitgezählt. Ich hab drei Monate an dem Monolog gearbeitet, und nach vierzig Sekunden sagt die Frau mit dem grünen Schal: Danke, das reicht.
Was heißt das? Reicht, weil es gut war? Oder reicht, weil man nach vierzig Sekunden schon sieht, dass da nichts mehr kommt? Das sagen die einem ja nicht. Die schreiben nur was auf. Der in der Mitte hat zweimal unterstrichen. Ich hab es gesehen. Zweimal.
(Sie geht zum Tisch und sieht auf die Bögen, ohne sie anzufassen.)
Nicht anfassen, Lea.
Ich wollte Ihnen eigentlich noch was zeigen. Das Beste kommt nämlich erst nach der Stelle. Da, wo sie aufhört zu schreien und ganz leise wird. Meine Mutter hat geweint, als ich ihr das in der Küche vorgespielt hab. Gut, meine Mutter weint auch bei Werbung für Versicherungen. Aber trotzdem.
(Pause. Sie setzt sich auf einen der Kommissionsstühle.)
So sieht das also von hier aus. Die Markierung ist ganz schön klein. Und man sieht jedes Zittern. Ich hab gedacht, man sieht von hier, ob jemand Talent hat. Man sieht aber vor allem, ob jemand Angst hat.
Dritte Runde. Ich bin in der dritten Runde. Das hat aus meinem Jahrgang keiner geschafft. Wenn die jetzt reinkommen und Nein sagen, dann war ich trotzdem in der dritten Runde. Das nimmt mir keiner mehr.
(Sie steht auf und geht zurück auf die Markierung.)
Ich spiel den Rest jetzt einfach. Nicht für die. Nicht für Mama. Einmal für mich. Damit er wenigstens einmal ganz gesagt worden ist, in diesem Raum.
(Sie atmet ein. Bevor sie beginnen kann, geht die Tür auf.)
(Sie dreht sich um und lächelt.) Ja. Ich bin so weit.
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