(Die Herrentoilette eines Restaurants. Jonas, Anfang dreißig, in einem zu neuen Hemd, steht vor dem Spiegel und hält ein kleines Kästchen.)
Okay. Version eins. (Er räuspert sich und sieht sich tief in die Augen.) Anna. Seit dem Tag, an dem du mir im Waschsalon meine Socken zurückgegeben hast – (Pause.) Nein. Mit Socken fängt man keinen Heiratsantrag an. Auch nicht, wenn es stimmt.
Version zwei. Locker. (Er lehnt sich ans Waschbecken.) Na, Anna, was machst du eigentlich die nächsten fünfzig Jahre? (Er betrachtet sich.) Du siehst aus wie ein Versicherungsvertreter. Sie wird lachen. Sie wird wirklich lachen, und dann sagt sie: Jonas, im Ernst jetzt. Und dann steh ich da.
(Die Tür geht auf. Jonas lässt das Kästchen blitzschnell in der Hosentasche verschwinden und wäscht sich ausführlich die Hände, bis der andere Gast wieder draußen ist.)
Version drei. Die ehrliche. Die mach ich eigentlich nicht.
Anna. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich zehn war, und meine Mutter hat ihren Ehering danach in einer Teetasse aufbewahrt. Jahrelang. Jeden Morgen stand die Tasse auf der Fensterbank, und ich hab gedacht: So sieht das aus, wenn es vorbei ist. Ein Ring in einer Tasse.
Deshalb hab ich drei Jahre lang gesagt, dass ich nicht an so was glaube. Das stimmt nicht. Ich glaub dran. Ich hab nur Angst vor Teetassen.
(Er holt das Kästchen wieder heraus und öffnet es.)
Der ist nicht teuer. Aber ich hab ihn nicht in einem Laden gekauft, sondern bei einer Goldschmiedin, und sie hat gefragt, wie du so bist, und ich hab vierzig Minuten erzählt. Am Ende hat sie gesagt: Den machen wir ohne Stein. Die braucht keinen Stein. Die ist selber einer.
(Er stutzt.) Das sag ich nicht. Das klingt, als wärst du schwer.
(Es klopft. Jonas hört zu, was draußen gesagt wird.)
Ja? … Nein, alles gut, danke. … Sie fragt, ob ich – (Pause.) Sie hat was auf den Tisch gelegt? Was denn für ein –
(Er sieht auf das Kästchen in seiner Hand. Dann in den Spiegel.)
Die hat auch einen.
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