Franz Moor: „Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein“

Monolog · Sturm und Drang · Prosa

Franz Moor: Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein

aus Die Räuber (1781) von Friedrich Schiller · 1. Akt, 1. Szene

Originaltext · Die Räuber, Friedrich Schiller (1781)gekürzt
Dauer
ca. 4 Mingeschätzt, 482 Wörter
Umfang
482 Wörtergekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 18–35redaktionelle Einschätzung
Tonlage
triumphierendleidenschaftlich
Sprache
Prosabehutsam modernisiert
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(mit Lachen ihm nachsehend). Tröste dich Alter, du wirst ihn nimmer an diese Brust drücken, der Weg dazu ist ihm verrammelt, wie der Himmel der Hölle – Er war aus deinen Armen gerissen, ehe du wusstest dass du es wollen könntest – da müsst ich ein erbärmlicher Stümper sein, wenn ichs nicht einmal so weit gebracht hätte einen Sohn vom Herzen des Vaters loszulösen, und wenn er mit ehernen Banden daran geklammert wäre – Ich hab einen magischen Kreis von Flüchen um dich gezogen, den er nicht überspringen soll – Glück zu Franz! Weg ist das Schoßkind – Der Wald ist heller. […]

Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein, und bei meiner Ehre! ich will sie geltend machen. – Warum bin ich nicht der erste aus Mutterleib gekrochen? Warum nicht der Einzige? Warum musste sie mir diese Bürde von Hässlichkeit aufladen? gerade mir? Nicht anders als ob sie bei meiner Geburt einen Rest gesetzt hätte? […] Mord und Tod! Wer hat ihr die Vollmacht gegeben jenem dieses zu verleihen, und mir vorzuenthalten? Könnte ihr jemand darum hofieren, eh er entstund? Oder sie beleidigen, eh er selbst wurde? Warum ging sie so parteilich zu Werke?

Nein! Nein! Ich tu ihr Unrecht. Gab sie uns doch Erfindungsgeist mit, setzte uns nackt und armselig ans Ufer dieses großen Ozeans Welt – Schwimme, wer schwimmen kann, und wer zu plump ist geh unter! Sie gab mir nichts mit; wozu ich mich machen will, das ist nun meine Sache. Jeder hat gleiches Recht zum Größten und Kleinsten, Anspruch wird an Anspruch, Trieb an Trieb, und Kraft an Kraft zernichtet. Das Recht wohnet beim Überwältiger, und die Schranken unserer Kraft sind unsere Gesetze.

[…]

Ich habe Langes und Breites von einer sogenannten Blutliebe schwatzen gehört, das einem ordentlichen Hausmann den Kopf heiß machen könnte – Das ist dein Bruder! – das ist verdolmetscht; Er ist aus eben dem Ofen geschossen worden, aus dem du geschossen bist – also sei er dir heilig! – Merkt doch einmal diese verzwickte Konsequenz, diesen possierlichen Schluss von der Nachbarschaft der Leiber auf die Harmonie der Geister; von eben derselben Heimat zu eben derselben Empfindung; von einerlei Kost zu einerlei Neigung. Aber weiter – es ist dein Vater! Er hat dir das Leben gegeben, du bist sein Fleisch, sein Blut – also sei er dir heilig! Wiederum eine schlaue Konsequenz! Ich möchte doch fragen, warum hat er mich gemacht? doch wohl nicht gar aus Liebe zu mir, der erst ein Ich werden sollte? Hat er mich gekannt ehe er mich machte? Oder hat er an mich gedacht, wie er mich machte? Oder hat er mich gewünscht, da er mich machte? Wusste er was ich werden würde? das wollt ich ihm nicht raten, sonst möcht ich ihn dafür strafen, dass er mich doch gemacht hat? […]

Frisch also! mutig ans Werk! – Ich will alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt dass ich nicht Herr bin. Herr muss ich sein, dass ich das mit Gewalt ertrotze, wozu mir die Liebenswürdigkeit gebricht (ab.)

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Spielhinweise

  • Franz beginnt mit einem Sieg. Der Ton ist zuerst Triumph, nicht Klage; die Kränkung kommt erst mit „Ich habe große Rechte“ an die Oberfläche.
  • Er argumentiert wie in einer Disputation: Frage, Gegenfrage, Schluss. Nimm die Logik ernst, auch wenn sie verdreht ist. Gefährlich wird die Figur, wenn die Gedanken folgerichtig klingen.
  • Die vielen Gedankenstriche sind Denkpausen und Richtungswechsel. Nutze sie, statt über sie hinwegzuspielen.
  • Spiele keinen bloßen Bösewicht. Franz glaubt, im Recht zu sein; daraus entsteht die Spannung.
  • Diese Vorsprechfassung dauert etwa vier Minuten. Die Auslassungen […] lassen den Gedankengang intakt; der vollständige Monolog steht in der Quelle.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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