Gerda: Die Bewerbung

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Gerda: Die Bewerbung

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Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 282 Wörter
Umfang
282 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 65–80redaktionelle Einschätzung
Tonlage
souveräntragikomisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Ein enges Büro hinter dem Kassenbereich eines Kinos. Gerda, zweiundsiebzig, die Handtasche auf dem Schoß, sitzt dem jungen Theaterleiter gegenüber.)

Sie dürfen ruhig sagen, dass Sie mit jemand anderem gerechnet haben. Das sieht man Ihnen an, und es ist ja auch nicht schlimm. In der Anzeige stand „junges, dynamisches Team“. Dynamisch bin ich. Jung war ich. Das muss reichen.

(Sie legt eine Klarsichthülle auf den Tisch.)

Mein Lebenslauf. Mit der Hand geschrieben. Mein Enkel hat gesagt, mit dem Computer sieht er aus wie alle anderen. Da hat er recht. Er hat meistens recht. Er ist vierzehn.

Sie wollen wissen, warum ich mich bewerbe. Fragen Sie das die anderen auch? Gut. Dann sag ich es Ihnen ehrlich. Ich hab mir drei Antworten überlegt, und die ehrliche ist die kürzeste.

Mein Mann ist im Februar gestorben. Vierundvierzig Jahre. Seitdem ist es bei mir sehr ordentlich. Ich wische zweimal am Tag den Küchentisch. Da ist nichts drauf. Ich wische ihn trotzdem.

(Pause. Dann ganz sachlich:)

Und die Rente reicht. Das sag ich gleich, damit Sie nicht denken, Sie müssten Mitleid haben. Das Geld brauch ich nicht. Ich brauche einen Dienstplan.

Ich kann Karten abreißen. Ich kann Popcorn. Hab ich geübt, bei meiner Nachbarin, die hat so eine Maschine. Und ich kann Leuten, die im Film telefonieren, einen Blick zuwerfen, dass ihnen das Handy aus der Hand fällt. Das kann von Ihrem jungen, dynamischen Team keiner. Das garantiere ich Ihnen.

Ich kenne auch jeden Film, den Sie hier zeigen. Na ja. Jeden, der vor neunzehnhundertachtzig gedreht wurde. Sie zeigen ja keinen, der vor neunzehnhundertachtzig gedreht wurde.

(Sie lacht kurz, merkt, dass er nicht mitlacht, und wird ernst.)

Sie überlegen gerade, wie Sie mir freundlich absagen. Das müssen Sie nicht. Sagen Sie einfach, Sie melden sich. Ich weiß, was das heißt. Ich hab den Satz selbst lange genug gesagt. Ich war Personalleiterin. Achtundzwanzig Jahre.

(Sie steht auf und nimmt die Handtasche.)

Aber falls Sie sich melden: Ich hab Zeit. Auch sonntags. Auch Spätvorstellung. Vor allem Spätvorstellung.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Gerda kennt Bewerbungsgespräche von der anderen Seite. Sie spielt auf dem Stuhl der Bewerberin einen hohen Status, bis sie vom Tod ihres Mannes spricht. Danach holt sie ihn sich zurück.
  • Der Küchentisch ist das Bild für alles, was sie nicht sagt. Sprich den Satz sachlich.
  • Der Witz über die Filme vor 1980 misslingt; er lacht nicht. Dieser kleine Moment der Unsicherheit ist wichtig.
  • Für die Kamera reicht ein Stuhl und eine Handtasche. Der Theaterleiter kann neben der Kamera sitzen.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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