Frau Kaya: Elternabend

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Frau Kaya: Ich nehme Mats mit nach Juist.

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Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 282 Wörter
Umfang
282 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 25–38redaktionelle Einschätzung
Tonlage
bestimmtleidenschaftlich
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Ein Klassenzimmer am Abend. Die Eltern der 7b sitzen auf viel zu kleinen Stühlen. Vorne steht Frau Kaya, Ende zwanzig, die Klassenlehrerin. An der Tafel steht noch „Klassenfahrt Juist – Packliste“. Ein Vater hat gerade einen Antrag verlesen.)

Danke, Herr Pohl. Ich hab den Antrag verstanden. Sie möchten, dass Mats nicht mit nach Juist fährt. Elf Unterschriften. Das ist mehr als die Hälfte. Ich hab mitgezählt.

Ich möchte darauf antworten, und ich bitte Sie, mich ausreden zu lassen. Darum bitte ich Ihre Kinder auch jeden Tag. Klappt bei denen manchmal.

(Vereinzeltes Lachen. Sie lacht nicht mit.)

Mats hat im Oktober in der Pause den Feueralarm ausgelöst. Siebenhundert Schülerinnen und Schüler standen zwanzig Minuten im Regen auf dem Hof. Das war falsch, und er hat dafür die Folgen getragen. Er hat sich bei der Feuerwehr entschuldigt. Persönlich. Er hat einen Brief geschrieben, den der Wachleiter im Aufenthaltsraum aufgehängt hat.

Was Sie nicht wissen und was ich Ihnen eigentlich auch nicht sagen dürfte: Er hat den Alarm ausgelöst, weil drei Jungen aus dieser Klasse ihn in der Toilette eingeschlossen hatten. Seit der ersten Stunde. Er hat gerufen, und keiner kam. Irgendwann hat er den einzigen Knopf gedrückt, von dem er wusste, dass dann jemand kommt.

(Stille. Sie sieht einzelne Eltern an.)

Ich nenne keine Namen. Das müssen Sie mit Ihren Kindern zu Hause klären. Am Küchentisch. Nicht hier.

Ich bin seit acht Wochen die Klassenlehrerin der 7b. Ich bin jung, das haben einige von Ihnen in den ersten E-Mails erwähnt. Vielleicht bin ich zu jung, um zu wissen, wie man so etwas diplomatisch löst. Aber ich weiß, wie es ist, mit zwölf auf einer Klassenfahrt zu fehlen, weil die anderen Eltern einen nicht dabeihaben wollten. Ich war auch mal zwölf.

Ich nehme Mats mit nach Juist. Er schläft im Zimmer neben meinem. Und wer möchte, dass sein Kind deswegen zu Hause bleibt, der darf das. Das Formular liegt vorne auf dem Pult.

(Sie wartet. Niemand steht auf.)

Gut. Dann – Packliste. Gummistiefel. Wirklich Gummistiefel, keine Turnschuhe. Es ist Juist.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Frau Kaya ist die Jüngste im Raum und spielt trotzdem den höheren Status. Sie gewinnt ihn durch Ruhe, nicht durch Lautstärke.
  • Die Stille nach der Toilettengeschichte gehört ihr. Halte sie aus.
  • Der Satz „Ich war auch mal zwölf“ ist das Persönlichste. Er darf kurz brechen.
  • Die Packliste am Ende ist keine Pointe zum Lachen, sondern ein Zeichen: Das Thema ist erledigt.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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