Ari und Mo: Der Waschsalon

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Ari und Mo: Eine Socke mit eigenem Willen.

Freier Text von SceneTalent

© SceneTalent. Nutzung nur mit Verweis und Link auf scenetalent.com.
Dauer
ca. 3,5 Mingeschätzt, 408 Wörter
Umfang
408 WörterAri · Mo
Figur
offen + offen · 2 Personen
Spielalter
ca. 20–36redaktionelle Einschätzung
Tonlage
genervtkomisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen
Eine gewählte Rolle wird im PDF hervorgehoben.

(Ein Waschsalon, Freitagabend kurz vor zehn. Eine Reihe Waschmaschinen, eine davon offen. Ari, Ende zwanzig, hält ein tropfnasses Hemd hoch. Es ist rosa. Mo, etwa gleich alt, sitzt mit einem Buch auf der Bank und sieht auf.)

Ari

Das war weiß.

Stichwort: „Das war weiß.“

Mo

Hübsch.

Stichwort: „Hübsch.“

Ari

Das war weiß. Das waren vier weiße Hemden. Ich habe sie heute aus der Reinigung geholt und nur gedacht, die riechen nach Chemie, ich wasche sie schnell noch mal –

Stichwort: „… wasche sie schnell noch mal –“

Mo

Man soll nie etwas schnell noch mal waschen.

Stichwort: „… nie etwas schnell noch mal waschen.“

(Ari zieht eine einzelne rote Socke aus der Trommel und hält sie hoch wie ein Beweisstück.)

Ari

Ist das Ihre?

Stichwort: „Ist das Ihre?“

Mo (nach kurzem Zögern)

Kommt drauf an.

Stichwort: „Kommt drauf an.“

Ari

Worauf?

Stichwort: „Worauf?“

Mo

Was es kostet, wenn sie meine ist.

Stichwort: „… es kostet, wenn sie meine ist.“

Ari

Die lag in der Trommel. Sie hatten vorher die Vier.

Stichwort: „… Trommel. Sie hatten vorher die Vier.“

Mo

Ich hatte vorher die Vier, ja. Und ich habe alles rausgenommen. Ich habe sogar reingeschaut. Mit der Handylampe.

Stichwort: „… habe sogar reingeschaut. Mit der Handylampe.“

Ari

Sie hat sich versteckt.

Stichwort: „Sie hat sich versteckt.“

Mo

Socken verstecken sich. Irgendwo in jeder Waschmaschine gibt es einen Gang, durch den sie in andere Wohnungen ziehen.

Stichwort: „… den sie in andere Wohnungen ziehen.“

Ari

Morgen um zwei heiratet mein Bruder. Ich stehe vorne neben ihm. Die anderen drei Hemden sind für meinen Vater und zwei Cousins, die nicht wissen, wie eine Waschmaschine funktioniert. Deshalb habe ich gesagt: Ich mach das. In dieser Familie bin ich die Zuverlässigkeit in Person. Seit siebenundzwanzig Jahren.

Stichwort: „… Zuverlässigkeit in Person. Seit siebenundzwanzig Jahren.“

Mo

Rosa ist sehr in.

Stichwort: „Rosa ist sehr in.“

Ari

Mein Vater ist sechsundsechzig und trägt seit der Wende dieselbe Krawatte. Der zieht kein rosa Hemd an.

Stichwort: „… Der zieht kein rosa Hemd an.“

Mo

Haben Sie schon was versucht?

Stichwort: „Haben Sie schon was versucht?“

Ari

Ich habe gar nichts versucht. Ich habe vor zwei Minuten die Tür aufgemacht.

Stichwort: „… vor zwei Minuten die Tür aufgemacht.“

(Mo steht auf, nimmt eines der Hemden, hält es ins Licht und prüft es mit Kennerblick.)

Mo

Baumwolle. Das kriegt man meistens wieder raus. Es gibt Entfärber in der Drogerie, kostet ein paar Euro. Nur nicht um zehn Uhr abends.

Stichwort: „… Nur nicht um zehn Uhr abends.“

Ari

Woher wissen Sie das?

Stichwort: „Woher wissen Sie das?“

Mo

Ich habe mal eine Saison in einer Hotelwäscherei gearbeitet. Ich weiß über Flecken mehr als über Menschen.

Stichwort: „… über Flecken mehr als über Menschen.“

Ari

Und über Socken?

Stichwort: „Und über Socken?“

Mo

Über Socken weiß ich offenbar zu wenig.

Stichwort: „… Socken weiß ich offenbar zu wenig.“

(Pause. Mo gibt das Hemd zurück.)

Mo

Wo ist die Hochzeit?

Stichwort: „Wo ist die Hochzeit?“

Ari

Im Gemeindesaal in Kaltenbach. Warum?

Stichwort: „Im Gemeindesaal in Kaltenbach. Warum?“

Mo (langsam)

Der Bräutigam heißt Jannik? Die Braut heißt Sophie? Sie hat sich ein Lied gewünscht, bei dem alle mitsingen sollen, und er hat gebeten, dass es auf keinen Fall gespielt wird?

Stichwort: „… es auf keinen Fall gespielt wird?“

Ari (starrt Mo an)

Woher –

Stichwort: „Woher –“

Mo

Ich mache da morgen die Musik.

Stichwort: „Ich mache da morgen die Musik.“

Ari

Sie machen die Musik auf der Hochzeit meines Bruders und haben die Hemden meiner Familie gefärbt.

Stichwort: „… haben die Hemden meiner Familie gefärbt.“

Mo

Ich habe gar nichts gefärbt. Das war eine Socke. Eine Socke mit eigenem Willen.

Stichwort: „… Socke. Eine Socke mit eigenem Willen.“

(Ari lässt sich auf die Bank fallen, die nassen Hemden auf dem Schoß. Mo setzt sich daneben.)

Mo

Darf ich einen Vorschlag machen? Die Drogerie im Bahnhof hat bis Mitternacht offen. Ich fahre. Wir holen einen Entfärber, waschen die Hemden noch einmal, und wenn es nicht klappt –

Stichwort: „… und wenn es nicht klappt –“

Ari

Wenn es nicht klappt?

Stichwort: „Wenn es nicht klappt?“

Mo

Dann spiele ich um zehn nach acht das Lied, das sich die Braut gewünscht hat. Alle singen, alle tanzen, und keiner schaut auf die Hemden.

Stichwort: „… und keiner schaut auf die Hemden.“

Ari

Mein Bruder bringt Sie um.

Stichwort: „Mein Bruder bringt Sie um.“

Mo

Ihr Bruder kennt mich nicht. Er weiß nur, dass jemand die Musik macht.

Stichwort: „… nur, dass jemand die Musik macht.“

(Ari sieht Mo an, dann die rote Socke, die noch auf der Maschine liegt. Ari steckt sie Mo in die Jackentasche.)

Ari

Die behalten Sie. Als Andenken. (Ari steht auf.) Bahnhof? Bis Mitternacht?

Stichwort: „… Sie. Als Andenken. Bahnhof? Bis Mitternacht?“

Mo

Bis Mitternacht.

Stichwort: „Bis Mitternacht.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Beide Rollen sind offen besetzbar. Die Szene funktioniert in jeder Konstellation.
  • Ein schnelles Partnerspiel: kurze Repliken, viel Ausweichen, viel Flirt. Haltet das Tempo.
  • Die rote Socke ist die wichtigste Requisite. Sie wandert vom Beweisstück zum Andenken.
  • Mos Wendung („Ich mache da morgen die Musik“) ist die Pointe. Gebt ihr eine kleine Pause davor.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

Go to Top