- Heda! Wer schleicht da? Holla! — Wenn der Tag
- Anbräche, wär mir’s lieb; die Nacht ist — Was?
- Gut Freund, ihr Herrn! Wir gehen eine Straße —
- Ihr habt den ehrlichsten Gesell’n getroffen,
- Bei meiner Treu, auf den die Sonne scheint —
- Vielmehr der Mond jetzt, wollt ich sagen —
- Spitzbuben sind’s entweder, feige Schufte,
- Die nicht das Herz, mich anzugreifen, haben:
- Oder der Wind hat durch das Laub gerasselt.
- Jedweder Schall hier heult in dem Gebirge. —
- Vorsichtig! Langsam! — Aber wenn ich jetzt
- Nicht bald mit meinem Hut an Theben stoße
- So will ich in den finstern Orkus fahren.
- Ei, hol’s der Henker! ob ich mutig bin,
- Ein Mann von Herz; das hätte mein Gebieter
- Auf anderm Wege auch erproben können.
- Ruhm krönt ihn, spricht die ganze Welt, und Ehre,
- Doch in der Mitternacht mich fortzuschicken,
- Ist nicht viel besser, als ein schlechter Streich.
- Ein wenig Rücksicht wär’, und Nächstenliebe,
- So lieb mir, als der Keil von Tugenden,
- Mit welchem er des Feindes Reihen sprengt.
- Sosias, sprach er, rüste dich mein Diener,
- Du sollst in Theben meinen Sieg verkünden
- Und meine zärtliche Gebieterin
- Von meiner nahen Ankunft unterrichten.
- Doch hätte das nicht Zeit gehabt bis morgen,
- Will ich ein Pferd sein, ein gesatteltes!
- Doch sieh! Da zeigt sich, denk ich, unser Haus!
- Triumph, du bist nunmehr am Ziel, Sosias,
- Und allen Feinden soll vergeben sein.
- Jetzt, Freund, musst du an deinen Auftrag denken;
- Man wird dich feierlich zur Fürstin führen,
- Alkmen’, und den Bericht bist du ihr dann,
- Vollständig und mit Rednerkunst gesetzt
- Des Treffens schuldig, das Amphitryon
- Siegreich für’s Vaterland geschlagen hat.
- — Doch wie zum Teufel mach ich das, da ich
- Dabei nicht war? Verwünscht. Ich wollt: ich hätte
- Zuweilen aus dem Zelt geguckt,
- Als beide Heer’ im Handgemenge waren.
- Ei was! Vom Hauen sprech’ ich dreist und Schießen,
- Und werde schlechter nicht bestehn, als Andre,
- Die auch den Pfeil noch pfeifen nicht gehört. —
- Doch wär’ es gut, wenn du die Rolle übtest?
- Gut! Gut bemerkt, Sosias! Prüfe dich.
- Hier soll der Audienzsaal sein, und diese
- Latern’ Alkmene, die mich auf dem Thron erwartet.
(Er setzt die Laterne auf den Boden.)
- Durchlauchtigste! mich schickt Amphitryon,
- Mein hoher Herr und euer edler Gatte,
- Von seinem Siege über die Athener
- Die frohe Zeitung euch zu überbringen.
- — Ein guter Anfang! — „Ach, wahrhaftig, liebster
- Sosias, meine Freude mäßg’ ich nicht,
- Da ich dich wiedersehe.“ — Diese Güte,
- Vortreffliche, beschämt mich, wenn sie stolz gleich
- Gewiss jedweden andern machen würde.
- — Sieh! das ist auch nicht übel! — „Und dem teuren
- Geliebten meiner Seel’ Amphitryon,
- Wie geht’s ihm?“ — Gnäd’ge Frau, das fass ich kurz:
- Wie einem Mann von Herzen auf dem Feld’ des Ruhms.
- — Ein Blitzkerl! Seht die Suade! — „Wann denn kommt er?“
- Gewiss nicht später, als sein Amt verstattet,
- Wenn gleich vielleicht so früh nicht, als er wünscht.
- — Potz, alle Welt! — „Und hat er sonst dir nichts
- Für mich gesagt, Sosias?“ — Er sagt wenig,
- Tut viel, und es erbebt die Welt vor seinem Namen.
- — Dass mich die Pest! Wo kömmt der Witz mir her?
- „Sie weichen also, sagst du, die Athener?“
- — Sie weichen, tot ist Labdakus, ihr Führer,
- Erstürmt Pharissa, und wo Berge sind,
- Da hallen sie von unserm Siegsgeschrei. —
- „O teuerster Sosias! Sieh, das musst du
- Umständlich mir, auf jeden Zug, erzählen.“
- — Ich bin zu euern Diensten, gnädge Frau.
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