Ronja und Mia: Das Gedicht

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Ronja und Mia: Ich will die Fortsetzung.

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Dauer
ca. 3,5 Mingeschätzt, 418 Wörter
Umfang
418 WörterMia · Ronja
Figur
w + w · 2 Personen
Spielalter
ca. 12–17redaktionelle Einschätzung
Tonlage
schuldbewusstleise & nachdenklich
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen
Eine gewählte Rolle wird im PDF hervorgehoben.

(Ein Kinderzimmer, ein Uhr nachts. Zwei Schlafsäcke auf dem Boden, dazwischen eine Taschenlampe, die an die Decke leuchtet. Ronja, vierzehn, liegt auf dem Rücken. Mia, ebenfalls vierzehn, liegt auf der Seite und schaut sie an.)

Mia

Schläfst du?

Stichwort: „Schläfst du?“

Ronja

Ja.

Stichwort: „Ja.“

Mia

Ronja.

Stichwort: „Ronja.“

Ronja

Ich schlafe. Ich rede im Schlaf. Das ist eine Krankheit.

Stichwort: „… im Schlaf. Das ist eine Krankheit.“

Mia

Ich muss dir was sagen.

Stichwort: „Ich muss dir was sagen.“

Ronja

Wenn es wieder um Timo aus der Neunten geht: Der hat dich nicht angeschaut. Der hat auf die Uhr über dir geschaut.

Stichwort: „… auf die Uhr über dir geschaut.“

Mia

Es geht um den Wettbewerb.

Stichwort: „Es geht um den Wettbewerb.“

(Ronja dreht sich zu ihr. Pause.)

Ronja

Du hast gewonnen. Weiß ich. Das stand in der Zeitung. Mit Foto. Ich habe es ausgeschnitten. Liegt in meinem Matheheft.

Stichwort: „… es ausgeschnitten. Liegt in meinem Matheheft.“

Mia

Das Gedicht ist nicht von mir.

Stichwort: „Das Gedicht ist nicht von mir.“

Ronja

Was?

Stichwort: „Was?“

Mia

Das Gedicht. „Die Brücke im Februar“. Das ist von dir.

Stichwort: „… im Februar“. Das ist von dir.“

(Ronja setzt sich auf. Die Taschenlampe rollt zur Seite und leuchtet an die Wand.)

Ronja

Das ist nicht von mir.

Stichwort: „Das ist nicht von mir.“

Mia

Doch. Aus deinem grünen Heft. Dem unter dem Bett. Letzten Sommer, als du beim Zahnarzt warst und ich hier auf dich gewartet habe. Ich wollte nur kurz reinschauen, und dann habe ich alles gelesen, und das mit der Brücke habe ich abfotografiert.

Stichwort: „… mit der Brücke habe ich abfotografiert.“

Ronja (leise)

Du hast mein Heft gelesen.

Stichwort: „Du hast mein Heft gelesen.“

Mia

Ja.

Stichwort: „Ja.“

Ronja

Das ganze?

Stichwort: „Das ganze?“

Mia

Das ganze.

Stichwort: „Das ganze.“

Ronja

Auch die Seite mit –

Stichwort: „Auch die Seite mit –“

Mia

Auch die. Ich sage es keinem. Ehrenwort. (Pause.) Ich wusste nicht, dass du so schreibst. Du sagst in Deutsch nie was. Du hast eine Drei.

Stichwort: „… nie was. Du hast eine Drei.“

Ronja

Weil Frau Klenk Gedichtanalysen will. Ich will keine Gedichte analysieren. Ich will sie –

Stichwort: „… Gedichte analysieren. Ich will sie –“

Mia

Schreiben.

Stichwort: „Schreiben.“

Ronja

Ich wollte das keinem zeigen.

Stichwort: „Ich wollte das keinem zeigen.“

Mia

Deswegen habe ich es eingeschickt. Weil du es nie gemacht hättest. Ich dachte, wenn es gewinnt, sage ich es dir, und du freust dich. Und dann hat es gewonnen, und alle haben mir gratuliert, und meine Mutter hat geweint, und ich habe es nicht mehr rausgekriegt. Drei Wochen lang.

Stichwort: „… nicht mehr rausgekriegt. Drei Wochen lang.“

Ronja

Du hast drei Wochen lang meinen Preis gekriegt.

Stichwort: „… drei Wochen lang meinen Preis gekriegt.“

Mia

Es gab einen Büchergutschein. Ich habe ihn nicht eingelöst. Er steckt in meiner Jacke.

Stichwort: „… eingelöst. Er steckt in meiner Jacke.“

(Pause.)

Ronja

Und warum sagst du es jetzt?

Stichwort: „Und warum sagst du es jetzt?“

Mia

Weil ich es nächsten Freitag vorlesen muss. In der Stadtbibliothek. Vor allen. Und ich kann das nicht. Ich habe es vor dem Spiegel geübt, und bei der Stelle mit dem Eis, das „wie ein Versprechen knackt“, muss ich jedes Mal aufhören. Weil das nicht meins ist. Das ist so sehr deins.

Stichwort: „… ist. Das ist so sehr deins.“

Ronja (nach einer langen Pause)

Das mit dem Eis ist die schlechteste Zeile.

Stichwort: „… dem Eis ist die schlechteste Zeile.“

Mia

Das ist die beste.

Stichwort: „Das ist die beste.“

Ronja

Die ist kitschig.

Stichwort: „Die ist kitschig.“

Mia

Die Jury hat genau die zitiert.

Stichwort: „Die Jury hat genau die zitiert.“

(Ronja lässt sich wieder auf den Rücken fallen. Sie lacht, halb wütend, halb ungläubig.)

Ronja

Die Jury.

Stichwort: „Die Jury.“

Mia

Ich rufe Montag in der Bibliothek an und sage, dass es nicht von mir ist. Dass es von dir ist. Dann liest du es vor.

Stichwort: „… ist. Dann liest du es vor.“

Ronja

Ich lese das nicht vor.

Stichwort: „Ich lese das nicht vor.“

Mia

Ronja.

Stichwort: „Ronja.“

Ronja

Ich kann das nicht. Vor Leuten.

Stichwort: „Ich kann das nicht. Vor Leuten.“

Mia

Dann lesen wir es zu zweit. Du sagst, wer es geschrieben hat, und ich lese. Und die Stelle mit dem Eis – (sie greift nach der Taschenlampe und leuchtet Ronja ins Gesicht) – die sagst du.

Stichwort: „… Eis – – die sagst du.“

Ronja (hält die Hand vor die Augen)

Du bist so peinlich.

Stichwort: „Du bist so peinlich.“

Mia

Ja.

Stichwort: „Ja.“

Ronja (nach einer Weile, leise)

Aber du hast mein Heft gelesen. Das ganze.

Stichwort: „… hast mein Heft gelesen. Das ganze.“

Mia

Ja.

Stichwort: „Ja.“

Ronja

Und?

Stichwort: „Und?“

Mia (knipst die Taschenlampe aus; im Dunkeln)

Ich will die Fortsetzung.

Stichwort: „Ich will die Fortsetzung.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Die Taschenlampe ist Licht und Requisite: Wer sie hält, bestimmt, was man sieht.
  • Ronjas Wut und ihr Stolz kommen gleichzeitig. Spielt beides, ohne es aufzulösen.
  • Die „Seite mit –“ bleibt ungesagt. Was darauf steht, entscheidet ihr; es gehört zum Subtext.
  • Die Szene ist leise, es ist Nacht. Sprecht so, dass niemand im Haus aufwacht.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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