Malik: Noch zwölf Minuten

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Malik: Der Professor hört jene, die man überhört.

Freier Text von SceneTalent

© SceneTalent. Nutzung nur mit Verweis und Link auf scenetalent.com.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 299 Wörter
Umfang
299 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 19–32redaktionelle Einschätzung
Tonlage
spöttischkomisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Der Regieraum eines Escape-Rooms. Vier Monitore, ein Mikrofon mit Sprechtaste, ein Countdown auf dem Bildschirm: 12:00. Malik, Mitte zwanzig, Kapuzenpulli mit Namensschild, isst Gummibärchen aus der Tüte und sieht auf die Monitore.)

Zwölf Minuten. Raum drei, „Das Labor des Professors“. Sechs Leute von einer Steuerkanzlei, Teambuilding. Sie haben achtundvierzig Minuten gebraucht, um herauszufinden, dass sich der Globus drehen lässt. Achtundvierzig. Der Globus steht in der Mitte des Raums. Auf einem Sockel. Mit einem Spot darauf.

(Er drückt die Sprechtaste und spricht mit tiefer, geheimnisvoller Stimme.) Die Zeit des Professors verrinnt. Vielleicht verrät euch die Vergangenheit, was die Zukunft verbirgt. (Er lässt die Taste los.) Das heißt: Schaut auf die Uhr. Die Uhr an der Wand. Die steht auf zehn vor zwölf. Elf Uhr fünfzig. Das Schloss hat vier Ziffern. Deutlicher darf ich es nicht sagen, sonst bin ich den Job los.

(Er beugt sich zum zweiten Monitor.)

Der Chef. Herr Dr. Wendt. Der hat seit der ersten Minute die Taschenlampe und gibt sie nicht her. Er leuchtet damit Sachen an, die er schon kennt. Das ist ein Führungsstil. Und hinten in der Ecke die junge Frau mit dem Pferdeschwanz, Azubi, schätze ich. Die hat vor zwanzig Minuten auf die Uhr gezeigt. Ich habe es gesehen. Sie hat „die Uhr“ gesagt, ganz leise, und Herr Dr. Wendt hat gesagt: „Konzentrieren wir uns aufs Wesentliche.“

(Blick auf den Countdown.) Sieben Minuten. (Er isst ein Gummibärchen, dann noch eins.) Ich mache das seit zwei Jahren. Ich habe dreihundert Gruppen gesehen. Nach fünf Minuten weiß ich, wer zusammenwohnt, wer sich bald trennt und wer heimlich in wen verliebt ist. Die Leute glauben, sie lösen ein Rätsel. In Wahrheit spielen sie eine Stunde lang sich selbst, in einem Raum voller Kameras.

(Sprechtaste, Geisterstimme.) Der Professor hört jene, die man überhört. (Taste los.) Okay. Das war jetzt sehr deutlich. Das war fast schon Pädagogik.

(Er beobachtet den Monitor. Langsam steht er auf.)

Sie sagt es noch einmal. Lauter. „Die Uhr.“ Und Wendt dreht sich um. Er sieht sie an. Er gibt ihr – (fassungslos) – er gibt ihr die Taschenlampe.

Eins. Eins. Fünf. Null. (Ein Klicken aus dem Lautsprecher. Malik reißt die Arme hoch.) Ja! Ja! (Er setzt sich schnell wieder hin und drückt die Taste, ganz ruhig.) Glückwunsch. Ihr habt das Labor des Professors verlassen. Eure Zeit: neunundfünfzig Minuten und zwölf Sekunden.

(Er lässt die Taste los und lehnt sich zurück.) In zehn Jahren ist die da deren Chefin. Ich wette eine Tüte Gummibärchen.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Zwei Stimmen: die geheimnisvolle Spielleiterstimme am Mikrofon und Maliks normale Stimme. Mach den Wechsel scharf.
  • Die Monitore sind dein Gegenüber. Lege fest, wo welcher Monitor steht, und halte die Blickrichtung konsequent.
  • Die Spannung steigt mit dem Countdown. Malik darf nicht zu deutlich helfen und tut es trotzdem.
  • Für Self-Tapes gut geeignet: Die Kamera ist ein Monitor.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

Go to Top