Emre: Die Blutspende

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Emre: Ich guck nur an die Decke.

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Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 269 Wörter
Umfang
269 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 18–25redaktionelle Einschätzung
Tonlage
nervöstragikomisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Ein Blutspendetermin in einer Turnhalle. Emre, neunzehn, liegt auf der Spendenliege, den linken Arm ausgestreckt, und sieht entschlossen an die Decke. Neben ihm sitzt eine Mitarbeiterin des Spendedienstes.)

Nein, nein, alles gut. Ich guck nur an die Decke. Die ist interessant. Da hängt ein Volleyball im Basketballkorb. Seit wann der da wohl hängt?

Ist die Nadel schon drin? (Pause.) Echt? Hab ich gar nicht gemerkt. Doch. Jetzt merk ich’s. Nicht schlimm. Ich hab nur gefragt, damit ich weiß, wo ich nicht hingucken muss.

(Er ballt die Faust, öffnet sie, ballt sie wieder, sehr gewissenhaft.)

Pumpen, ja, ich weiß. Steht auf dem Zettel. Ich hab den ganzen Zettel gelesen. Zweimal. Auch den Teil über Tätowierungen. Ich hab keine. Meine Schwester hat eine, einen kleinen Anker am Knöchel. Die hätte heute nicht spenden dürfen, sagt sie, weil der noch nicht lange genug her ist.

Die wär sonst mitgekommen. Wegen mir. Weil ich kein Blut sehen kann. Ich kipp um, wenn sich jemand in den Finger schneidet. Beim Hausarzt bin ich mal vom Stuhl gerutscht, da hat er nur den Blutdruck gemessen.

(Pause. Er sieht weiter an die Decke.)

Letztes Jahr im März hatte sie einen Unfall. Mit dem Fahrrad, an der Kreuzung vor unserer Schule. Ich war nicht dabei. Ich war in Mathe. Im Krankenhaus hat der Arzt gesagt, dass sie viel Blut verloren hat und dass sie fremdes bekommen hat. Vier Beutel. Er hat das gesagt wie den Wetterbericht. Vier Beutel.

Und ich hab gedacht: Von wem? Irgendwer hat hier gelegen und an die Decke geguckt. Irgendwer, der jetzt nicht weiß, dass meine Schwester seinetwegen wieder Fahrrad fährt. Leider ziemlich schnell.

(Er lacht kurz und wird blass. Die Mitarbeiterin legt ihm eine Hand auf die Schulter.)

Nein, mir geht’s gut. Ich hab nur an den Beutel gedacht. Nicht an den Beutel denken. Volleyball. Volleyball im Korb.

(Pause.) Ist das schon voll? Schon? (Er wagt einen kurzen Blick zur Seite und sieht sofort wieder nach oben.) Okay. Wann darf ich wieder? Acht Wochen? Dann bin ich in acht Wochen wieder hier. Und vielleicht guck ich dann hin.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Die gegebenen Umstände sind klar: erste Spende, Angst vor Blut, die Schwester. Daraus entsteht jede Ablenkung.
  • Der Volleyball im Korb ist Emres Rettungsanker. Kehre immer wieder zu ihm zurück.
  • Die Geschichte vom Unfall erzählt er zur Decke, nicht zur Mitarbeiterin.
  • Der kurze Blick zur Seite am Ende ist der mutigste Moment im ganzen Monolog.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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