Frau Häberle: Die Kehrwoche

Monolog · Gegenwart · Schwäbisch

Frau Häberle: „Hallo“ isch koi Kehrwoch.

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Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 282 Wörter
Umfang
282 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 65–88redaktionelle Einschätzung
Tonlage
strengkomisch
Sprache
Schwäbisch
PDF-Optionen

(Ein Treppenhaus in einem Stuttgarter Mietshaus, Samstagvormittag. Frau Häberle, um die achtzig, Kittelschürze, steht vor einer Wohnungstür im dritten Stock. In der einen Hand hält sie einen Besen, in der anderen ein kleines Holzschild mit der Aufschrift „Kehrwoche“. Die Tür ist einen Spalt offen. Dahinter steht ein junger Mann aus der neuen Wohngemeinschaft.)

Grüß Gott. Ha, jetzt guck net so, i beiß net. I bin d’ Häberle, vom Erdgeschoss links. Mir hen uns scho gsehe, am Briefkaschte. Sie hen „Hallo“ gsagt. Des isch recht. Aber „Hallo“ isch koi Kehrwoch.

Des Schild do. (Sie hält es hoch.) Des hängt seit Montag an Ihrer Tür. Des hängt do net zur Deko. Wer des Schild hot, der kehrt. Stäffele, Geländer, Fenschterbrett, des isch die kleine Kehrwoch. Und weil’s Monatsend isch, au die große: Hof, Gehweg, Mülltonne naus. So isch des in dem Haus seit neunzehnhundertvierasechzig. Seit i eizoge bin.

Ihr hen gar nix gmacht. (Sie fährt mit dem Finger über das Geländer und hält ihn hoch.) Des isch Staub vo drei Mieter. I hab’s gsehe, weil i guck. I guck immer. Des isch mei Aufgab.

(Der junge Mann sagt etwas. Frau Häberle hört zu. Die Hand mit dem Schild sinkt ein wenig.)

Sie hen net gwusst, was des Schild bedeutet. (Pause.) Sie sin aus Bremen. Ha. In Bremen kehrt koiner? (Sie lacht kurz, gegen ihren Willen.) No, des glaub i. Do weht’s des wahrscheinlich von alloi weg.

Wisset Se, warum i so a Gschiss mach? Weil i nächschte Monat auszieh. Zu meiner Tochter, nach Hamburg. Ausgrechnet. Die hot a Wohnung mit Aufzug und an Hausmeister, der kehrt für alle. Do hängt koi Schild. Do kennt koiner koin.

Zwoiasechzig Johr hab i des Schild weitergebe. Dem Herr Strobel, der Frau Yilmaz, dene Studente mit dem Schlagzeug, die mol do warn. Jeder hot gmault. Jeder hot’s gmacht. Und dabei hot mr sich kennaglernt. Mr klingelt, mr gibt des Schild, mr sagt: Sie sin dra. Des isch des ganze Gheimnis vom Haus.

(Sie hält ihm Schild und Besen hin.) Do. Nemmet Se’s. Net, weil Se’s müsset. Weil i will, dass no oiner im Haus woiß, wie des goht. Und wenn i mol aus Hamburg arruf und frog, wer dra isch, dann will i a Antwort.

(Er nimmt beides. Sie nickt zufrieden, dreht sich um und geht zwei Stufen hinunter. Dann bleibt sie stehen.)

Ah, und: Von obe nach unte kehre. Net andersrum. Sonscht schaffet Se doppelt.

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Ende des Textes

Spielhinweise

  • Der Text ist auf Schwäbisch geschrieben, maßvoll und gut lesbar. Wer den Dialekt nicht sicher spricht, findet eine Färbung, statt ihn zu imitieren.
  • Frau Häberle hat hohen Status im Haus. Das Lachen über Bremen ist der Moment, in dem er wackelt.
  • Die Übergabe von Schild und Besen ist eine kleine Zeremonie. Sie meint es feierlich.
  • Die letzte Anweisung („Von obe nach unte“) holt sie in ihre Rolle zurück. Komik und Rührung liegen hier dicht beieinander.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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