Romeo und Julia: „O Romeo! warum denn Romeo?“

Dialog · 2 Personen · Renaissance & Shakespeare · Blankvers (Übersetzung Schlegel)

Romeo und Julia: O Romeo! warum denn Romeo?

aus Romeo und Julia (1597) von William Shakespeare · II. Aufzug, 2. Szene (Ausschnitt)

Originaltext · Romeo und Julia, William Shakespeare (1597)Ausschnitt
Dauer
ca. 7,5 Mingeschätzt, 782 Wörter
Umfang
110 VerseJulia · Romeo
Figur
w + m · 2 Personen
Spielalter
ca. 14–26redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verliebtleidenschaftlich
Sprache
Blankvers (Übersetzung Schlegel)behutsam modernisiert
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Julia

  1. O Romeo! warum denn Romeo?
  2. Verleugne deinen Vater, deinen Namen!
  3. Willst du das nicht, schwör’ dich zu meinem Liebsten,
  4. Und ich bin länger keine Capulet!

Stichwort: „… Und ich bin länger keine Capulet!“

Romeo (für sich)

  1. Hör’ ich noch länger, oder soll ich reden?

Stichwort: „… noch länger, oder soll ich reden?“

Julia

  1. Dein Nam’ ist nur mein Feind. Du bliebst du selbst,
  2. Und wärst du auch kein Montague. Was ist
  3. Denn Montague? Es ist nicht Hand nicht Fuß,
  4. Nicht Arm noch Antlitz. O, sei andern Namens!
  5. Was ist ein Name? Was uns Rose heißt,
  6. Wie es auch hieße, würde lieblich duften;
  7. So Romeo, wenn er auch anders hieße,
  8. Er würde doch den köstlichen Gehalt
  9. Bewahren, welcher sein ist ohne Titel.
  10. O Romeo, leg’ deinen Namen ab,
  11. Und für den Namen, der dein Selbst nicht ist,
  12. Nimm meines ganz!

Stichwort: „… Selbst nicht ist, Nimm meines ganz!“

Romeo (indem er näher hinzutritt)

  1. Ich nehme dich beim Wort.
  2. Nenn’ Liebster mich, so bin ich neu getauft,
  3. Und will hinfort nicht Romeo mehr sein.

Stichwort: „… will hinfort nicht Romeo mehr sein.“

Julia

  1. Wer bist du, der du, von der Nacht beschirmt,
  2. Dich drängst in meines Herzens Rat?

Stichwort: „… Dich drängst in meines Herzens Rat?“

Romeo

  1. Mit Namen
  2. Weiß ich dir nicht zu sagen, wer ich bin.
  3. Mein eigner Name, teure Heil’ge, wird,
  4. Weil er dein Feind ist, von mir selbst gehasst.
  5. Hätt’ ich ihn schriftlich, so zerriss’ ich ihn.

Stichwort: „… ihn schriftlich, so zerriss’ ich ihn.“

Julia

  1. Mein Ohr trank keine hundert Worte noch
  2. Von diesen Lippen, doch es kennt den Ton.
  3. Bist du nicht Romeo, ein Montague?

Stichwort: „… Bist du nicht Romeo, ein Montague?“

Romeo

  1. Nein, Holde; keines, wenn dir eins missfällt.

Stichwort: „… Holde; keines, wenn dir eins missfällt.“

Julia

  1. Wie kamst du her? o, sag’ mir, und warum?
  2. Die Gartenmau’r ist hoch, schwer zu erklimmen;
  3. Die Stätt’ ist Tod, bedenk’ nur, wer du bist,
  4. Wenn einer meiner Vettern dich hier findet.

Stichwort: „… einer meiner Vettern dich hier findet.“

Romeo

  1. Der Liebe leichte Schwingen trugen mich;
  2. Kein steinern Bollwerk kann der Liebe wehren;
  3. Und Liebe wagt, was irgend Liebe kann:
  4. Drum hielten deine Vettern mich nicht auf.

Stichwort: „… hielten deine Vettern mich nicht auf.“

Julia

  1. Wenn sie dich sehn, sie werden dich ermorden.

Stichwort: „… dich sehn, sie werden dich ermorden.“

Romeo

  1. Ach, deine Augen drohn mir mehr Gefahr
  2. Als zwanzig ihrer Schwerter; blick’ du freundlich,
  3. So bin ich gegen ihren Hass gestählt.

Stichwort: „… bin ich gegen ihren Hass gestählt.“

Julia

  1. Ich wollt’ um alles nicht, dass sie dich sähn.

Stichwort: „… alles nicht, dass sie dich sähn.“

Romeo

  1. Vor ihnen hüllt mich Nacht in ihren Mantel.
  2. Liebst du mich nicht, so lass sie nur mich finden,
  3. Durch ihren Hass zu sterben wär’ mir besser,
  4. Als ohne deine Liebe Lebensfrist.

Stichwort: „… besser, Als ohne deine Liebe Lebensfrist.“

Julia

  1. Wer zeigte dir den Weg zu diesem Ort?

Stichwort: „… dir den Weg zu diesem Ort?“

Romeo

  1. Die Liebe, die zuerst mich forschen hieß.
  2. Sie lieh mir Rat, ich lieh ihr meine Augen.
  3. Ich bin kein Steuermann, doch wärst du fern
  4. Wie Ufer, von dem fernsten Meer bespült,
  5. Ich wagte mich nach solchem Kleinod hin.

Stichwort: „… wagte mich nach solchem Kleinod hin.“

Julia

  1. Du weißt, die Nacht verschleiert mein Gesicht,
  2. Sonst färbte Mädchenröte meine Wangen,
  3. Um das, was du vorhin mich sagen hörtest.
  4. Gern hielt ich streng auf Sitte, möchte gern
  5. Verleugnen, was ich sprach: doch weg mit Förmlichkeit!
  6. Sag, liebst du mich? Ich weiß, du wirst’s bejahn,
  7. Und will dem Worte traun; doch wenn du schwörst,
  8. So kannst du treulos werden; wie sie sagen,
  9. Lacht Jupiter des Meineids der Verliebten.
  10. O holder Romeo! wenn du mich liebst:
  11. Sag’s ohne Falsch! Doch dächtest du, ich sei
  12. Zu schnell besiegt, so will ich finster blicken,
  13. Will widerspenstig sein, und Nein dir sagen,
  14. So du dann werben willst: sonst nicht um alles.
  15. Gewiss, mein Montague, ich bin zu herzlich;
  16. Du könntest denken, ich sei leichten Sinns.
  17. Ich glaube, Mann, ich werde treuer sein
  18. Als sie, die fremd zu tun geschickter sind.
  19. Auch ich, bekenn’ ich, hätte fremd getan,
  20. Wär’ ich von dir, eh’ ich’s gewahrte, nicht
  21. Belauscht in Liebesklagen. Drum vergib!
  22. Schilt diese Hingebung nicht Flatterliebe,
  23. Die so die stille Nacht verraten hat.

Stichwort: „… so die stille Nacht verraten hat.“

Romeo

  1. Ich schwöre, Fräulein, bei dem heil’gen Mond,
  2. Der silbern dieser Bäume Wipfel säumt . . .

Stichwort: „… Bäume Wipfel säumt . . .“

Julia

  1. O schwöre nicht beim Mond, dem Wandelbaren,
  2. Der immerfort in seiner Scheibe wechselt,
  3. Damit nicht wandelbar dein Lieben sei!

Stichwort: „… Damit nicht wandelbar dein Lieben sei!“

Romeo

  1. Wobei denn soll ich schwören?

Stichwort: „Wobei denn soll ich schwören?“

Julia

  1. Lass es ganz.
  2. Doch willst du, schwör’ bei deinem edlen Selbst,
  3. Dem Götterbilde meiner Anbetung:
  4. So will ich glauben.

Stichwort: „… meiner Anbetung: So will ich glauben.“

Romeo

  1. Wenn die Herzensliebe . . .

Stichwort: „Wenn die Herzensliebe . . .“

Julia

  1. Gut, schwöre nicht. Obwohl ich dein mich freue,
  2. Freu’ ich mich nicht des Bundes dieser Nacht.
  3. Er ist zu rasch, zu unbedacht, zu plötzlich;
  4. Gleicht allzusehr dem Blitz, der nicht mehr ist,
  5. Noch eh’ man sagen kann: es blitzt. – Schlaf süß!
  6. Des Sommers warmer Hauch kann diese Knospe
  7. Der Liebe wohl zur schönen Blum entfalten,
  8. Bis wir das nächstemal uns wiedersehn.
  9. Nun gute Nacht! So süße Ruh’ und Frieden,
  10. Als mir im Busen wohnt, sei dir beschieden.

Stichwort: „… im Busen wohnt, sei dir beschieden.“

Romeo

  1. Ach, du verlässest mich so unbefriedigt?

Stichwort: „Ach, du verlässest mich so unbefriedigt?“

Julia

  1. Was für Befriedigung begehrst du noch?

Stichwort: „Was für Befriedigung begehrst du noch?“

Romeo

  1. Gib deinen treuen Liebesschwur für meinen.

Stichwort: „Gib deinen treuen Liebesschwur für meinen.“

Julia

  1. Ich gab ihn dir, eh’ du darum gefleht;
  2. Und doch, ich wollt’, er stünde noch zu geben.

Stichwort: „… wollt’, er stünde noch zu geben.“

Romeo

  1. Wollt’st du mir ihn entziehn? Wozu das, Liebe?

Stichwort: „… mir ihn entziehn? Wozu das, Liebe?“

Julia

  1. Um unverstellt ihn dir zurückzugeben.
  2. Allein ich wünsche, was ich habe, nur.
  3. So grenzenlos ist meine Huld, die Liebe
  4. So tief ja wie das Meer. Je mehr ich gebe,
  5. Je mehr auch hab’ ich: beides ist unendlich.
  6. Ich hör’ im Haus Geräusch; leb’ wohl. Geliebter!

Stichwort: „… im Haus Geräusch; leb’ wohl. Geliebter!“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene · Ganzes Stück lesen (öffnet neuen Tab)

Spielhinweise

  • Die Szene ist ein Lehrstück im Partnerspiel: Julia ist klüger und vorsichtiger, Romeo stürmischer. Jede Antwort verschiebt das Gleichgewicht.
  • Schlegels Blankvers verteilt viele Verse auf beide Figuren. Halbverse mit Einrückung (z. B. „Ich nehme dich beim Wort.“) setzen ohne Pause ein.
  • Höhe und Abstand gehören zur Szene: Julia oben, Romeo unten. Auch ohne Balkon bleibt die Distanz spürbar.
  • Der Ausschnitt endet mit Julias „leb’ wohl. Geliebter!“; im Stück ruft die Amme und die Szene geht weiter.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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