(Ein Treppenhaus in einem Mietshaus, kurz nach zwei Uhr nachts. Paul, Anfang dreißig, Jogginghose, Schlafshirt, hat an der Wohnungstür gegenüber geklingelt. Drinnen laute Musik und Stimmen. Die Tür geht auf. Eine Frau in Schwarz, etwa in seinem Alter, ein Glas in der Hand.)
Hallo. Entschuldigung. Ich bin Paul, von gegenüber. Wir kennen uns vom Briefkasten. Ich hab die grüne Fußmatte.
Ich will gar nicht lange stören. Es ist nur – es ist zwei. Und ich muss um sechs raus, ich hab morgen um acht eine Präsentation vor der Geschäftsführung, und die Bässe kommen genau durch mein Kopfkissen. Also, nicht durch das Kissen, durch die Wand, aber –
(Er stockt. Über ihre Schulter sieht er in die Wohnung. Auf der Kommode im Flur steht ein großes Foto mit Trauerflor, daneben Kerzen.)
Oh. (Pause.) Das ist Herr Albers.
Ich wusste nicht, dass – ich hab ihn vor zwei Wochen noch gesehen. Unten im Fahrradkeller. Er hat mir erklärt, wie man eine Kette ölt. Zwanzig Minuten. Ich hatte gar nicht gefragt.
(Sie sagt etwas. Er hört zu.)
Heute war die Beerdigung. Und er wollte, dass danach gefeiert wird. Mit seiner Musik. Laut. (Er horcht kurz in die Wohnung.) Das ist Udo Jürgens, oder? Er hat immer im Treppenhaus gepfiffen. Ich dachte, das wäre so ein Werbejingle.
Es tut mir leid. Ihr Vater? Ihr Vater. Entschuldigung, ich hab Sie hier noch nie gesehen, ich dachte, er wohnt allein. Er hat gesagt, seine Tochter wohnt in München und hat viel zu tun. Er hat das stolz gesagt. Nicht vorwurfsvoll.
(Pause. Er sieht an sich hinunter, auf die Jogginghose.)
Ich geh wieder rüber. Machen Sie ruhig weiter so laut. Wirklich. (Er dreht sich halb um und dann wieder zurück.) Darf ich – ich weiß, ich bin nicht angezogen. Darf ich kurz reinkommen und ihm Tschüss sagen? Ich hab ihm nie gesagt, dass die Kette seitdem nicht mehr quietscht.
(Sie tritt zur Seite. Er zögert. Dann geht er hinein.)
Die Präsentation ist eh nicht so wichtig.
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