Nele: Live

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Nele: Spiel ist auf Pause.

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Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 285 Wörter
Umfang
285 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 17–26redaktionelle Einschätzung
Tonlage
wütendleidenschaftlich
Sprache
Alltagssprache
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(Ein kleines WG-Zimmer, Lichterkette, Mikrofon am Schwenkarm. Nele, Anfang zwanzig, sitzt vor der Webcam. Auf dem zweiten Bildschirm läuft der Chat. Sie hat das Spiel gerade angehalten.)

Okay. Spiel ist auf Pause. Ich muss kurz was sagen, und dann zocken wir weiter, versprochen.

Die letzten zehn Minuten haben ungefähr dreihundert Accounts meinen Chat geflutet. Ihr habt es gesehen. Ich lese das jetzt nicht vor. Ich hab es gelesen, das reicht für uns alle. Es ging um mein Gesicht, um meine Stimme und darum, was man mit Mädchen machen sollte, die Videospiele spielen.

(Sie scrollt kurz und schüttelt den Kopf.)

Die meisten sind schon wieder weg. Gesperrt oder einfach weitergezogen. Die machen das bei zwanzig Streams am Abend. Für die war das hier gar nichts. Ein Klick.

Für mich war das was. Ich sitz hier nämlich wirklich. Das ist kein Avatar. Das ist mein Zimmer, das ist meine Lichterkette, und das da hinten ist die Wäsche, die ich seit Dienstag nicht aufgehängt habe.

Und jetzt kommt der Teil, auf den die warten: dass ich weine. Oder dass ich sage, ich hör auf. (Sie sieht direkt in die Kamera.) Nein.

Ich streame seit zwei Jahren. Angefangen hab ich mit drei Zuschauern. Einer davon war meine Oma, die hat jedes Mal „Schön machst du das“ geschrieben, auch wenn ich gestorben bin. Die ist immer noch da. Hallo, Oma. (Sie lächelt kurz.) Sie hat eben geschrieben: „Die sollen sich schämen.“ Mit drei Ausrufezeichen. Das ist für Oma sehr viel.

Moni, Kalle, Sternschnuppe zweiundneunzig – ihr habt die ganze Zeit dagegengehalten, gemeldet, gesperrt. Ihr habt das für mich gemacht, ohne dass ich gefragt hab. Das vergesse ich nicht.

(Pause. Sie atmet durch.)

Ab heute ist der Chat nur noch für Follower. Wer schreiben will, muss mir seit mindestens zehn Minuten folgen. Wer zehn Minuten zuschaut, wie ich in diesem Spiel in jede Falle laufe, der meint es ernst.

(Sie greift zum Controller.)

So. Wo waren wir. Ich glaub, ich war kurz davor, zum neunten Mal von dieser Brücke zu fallen. (Sie drückt auf Start.) Guckt zu.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Neles Eyeline wechselt zwischen Kamera und Chat-Bildschirm. Der Blick in die Linse ist eine bewusste Entscheidung.
  • Sie liest den Hass nicht vor. Die Wut liegt darin, wie genau sie die Zahlen kennt.
  • Die Oma im Chat bricht die Anspannung. Erlaube dir dort ein echtes Lächeln.
  • Ideal als Self-Tape: Der Monolog ist für die Kamera geschrieben.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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