(Ein kleines Beratungszimmer in der Schule. Robin sitzt der Vertrauenslehrerin gegenüber. Zwischen ihnen auf dem Tisch liegen Robins Kopfhörer.)
Ich hab die nicht im Unterricht auf. Also, nicht an. Die hängen nur um den Hals, das ist ein Unterschied. Herr Wendt sieht das anders, okay.
(Pause.)
Nein, ich schlaf nicht schlecht. Ich schlaf kurz. Das ist was anderes.
Ich weiß immer ziemlich genau, wann ich eingeschlafen bin, weil ich die Playlist kenne. Die hat dreiundsechzig Lieder. Wenn ich bei Lied vierzig noch wach bin, ist es nach drei. Gestern war ich bei achtundfünfzig.
(Robin dreht die Kopfhörer auf dem Tisch einmal um.)
Es ist nicht so, wie Sie denken. Da passiert nichts. Keiner schlägt. Die reden nur. Laut. Erst in der Küche und dann im Flur, weil sie denken, im Flur hört man es weniger. Aber der Flur ist direkt vor meiner Tür. Mein Vater sagt immer denselben Satz: „Ich sag das jetzt zum letzten Mal.“ Das sagt er seit April.
Und meine Mutter spült danach. Um zwei Uhr nachts. Dann weiß ich, dass es vorbei ist. Das Geschirr ist eigentlich das Schönste am ganzen Abend.
(Ein kurzes Lachen, das nicht ganz gelingt.)
Sie müssen das jetzt nicht aufschreiben.
Ich will nur nicht, dass Sie die anrufen. Wenn Sie die anrufen, dann streiten die darüber, wer schuld ist, dass ich in der Schule einschlafe. Und dann ist das der neue Satz. Im Flur.
Können Sie Herrn Wendt einfach sagen, dass ich das mit den Kopfhörern verstanden habe? Ich hab es verstanden. Ich nehm sie vorher ab.
(Robin nimmt die Kopfhörer, wickelt das Kabel auf, langsam.)
Darf ich jetzt gehen? Wir haben Bio. (Kleines Lächeln.) Das war ein Witz. Ich bleib wach. Versprochen.
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