- O, welch ein Schurk und niedrer Sklav bin ich!
- Ist’s nicht erstaunlich, dass der Spieler hier
- Bei einer bloßen Dichtung, einem Traum
- Der Leidenschaft, vermochte seine Seele
- Nach eignen Vorstellungen so zu zwingen,
- Dass sein Gesicht von ihrer Regung blasste,
- Sein Auge nass, Bestürzung in den Mienen,
- Gebrochne Stimm’, und seine ganze Haltung
- Gefügt nach seinem Sinn. Und alles das um nichts!
- Um Hekuba!
- Was ist ihm Hekuba, was ist er ihr,
- Dass er um sie soll weinen? Hätte er
- Das Merkwort und den Ruf zur Leidenschaft
- Wie ich: was würd’ er tun. Die Bühn’ in Tränen
- Ertränken, und das allgemeine Ohr
- Mit grauser Red’ erschüttern; bis zum Wahnwitz
- Den Schuld’gen treiben, und den Freien schrecken.
- Unwissende verwirren, ja betäuben
- Die Fassungskraft des Auges und des Ohrs.
- Und ich,
- Ein blöder, schwachgemuter Schurke, schleiche
- Wie Hans der Träumer, meiner Sache fremd,
- Und kann nichts sagen, nicht für einen König,
- An dessen Eigentum und teurem Leben
- Verdammter Raub geschah. Bin ich ’ne Memme?
- Wer nennt mich Schelm? bricht mir den Kopf entzwei?
- Rauft mir den Bart und wirft ihn mir ins Antlitz?
- Zwickt an der Nase mich? und straft mich Lügen
- Tief in den Hals hinein? Wer tut mir dies?
- Ha! nähm’ ich’s eben doch. – Es ist nicht anders:
- Ich hege Taubenmut, mir fehlt’s an Galle,
- Die bitter macht den Druck, sonst hätt’ ich längst
- Des Himmels Gei’r gemästet mit dem Aas
- Des Sklaven. Blut’ger, kupplerischer Bube! –
- Fühlloser, falscher, geiler, schnöder Bube! –
- Ha, welch ein Esel bin ich! Trefflich brav,
- Dass ich, der Sohn von einem teuren Vater,
- Der mir ermordet ward, von Höll’ und Himmel
- Zur Rache angespornt, mit Worten nur,
- Wie eine Hure, muss mein Herz entladen,
- Und mich aufs Fluchen legen, wie ein Weibsbild,
- Wie eine Küchenmagd!
- Pfui drüber! Frisch ans Werk, mein Kopf! Hum, hum
- Ich hab’ gehört, dass schuldige Geschöpfe,
- Bei einem Schauspiel sitzend, durch die Kunst
- Der Bühne so getroffen worden sind
- Im innersten Gemüt, dass sie sogleich
- Zu ihren Missetaten sich bekannt:
- Denn Mord, hat er schon keine Zunge, spricht
- Mit wundervollen Stimmen. Sie sollen was
- Wie die Ermordung meines Vaters spielen
- Vor meinem Oheim: ich will seine Blicke
- Beachten, will ihn bis ins Leben prüfen:
- Stutzt er, so weiß ich meinen Weg. Der Geist,
- Den ich gesehen, kann ein Teufel sein;
- Der Teufel hat Gewalt sich zu verkleiden
- In lockende Gestalt; ja und vielleicht,
- Bei meiner Schwachheit und Melancholie,
- (Da er sehr mächtig ist bei solchen Geistern)
- Täuscht er mich zum Verderben. Ich will Grund,
- Der sichrer ist. Das Schauspiel sei die Schlinge,
- In die den König sein Gewissen bringe.
(Ab.)
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
Ende des Textes · Ganzes Stück lesen (öffnet neuen Tab)

