(Ein Tattoostudio. Kira, Ende zwanzig, die Unterarme voller Tattoos, sitzt auf ihrem Rollhocker und hat die Maschine schon in der Hand. Auf der Liege ein junger Kunde, den Arm ausgestreckt. Auf seiner Haut die Schablone: ein Name in geschwungener Schrift.)
„Chantal.“ Mit C. Und einem Herzchen über dem a. Okay. (Sie legt die Maschine hin.) Ich frag das jeden. Wie lange kennt ihr euch?
Drei Wochen. (Pause.) Drei Wochen. Und du willst sie auf den Unterarm. Innenseite. Da, wo man es jeden Morgen beim Zähneputzen sieht.
(Sie rollt mit dem Hocker ein Stück zurück.)
Nein, ich sag ja nicht, dass das nicht hält. Vielleicht hält das. Vielleicht seid ihr in fünfzig Jahren noch zusammen, und eure Enkel sagen: Opa, zeig noch mal das Herzchen. Kann sein. Ich hab schon Sachen gesehen.
Ich hab hier aber auch schon andere Sachen gesehen. (Sie zeigt auf einen Ordner im Regal.) Weißt du, was da drin ist? Cover-ups. Die meisten davon sind Namen. Aus „Kevin“ wird ein Anker. Aus „Mandy“ wird ein Wolf. Aus „Für immer Tanja“ wird ein ziemlich großer Baum. Ich bin gut in Bäumen. Ich hab viel Übung.
(Sie schiebt den Ärmel ihres T-Shirts hoch. Auf der Schulter eine große, dichte Rose.)
Die hier. Schön, oder? Darunter steht „Marco“. Mit Unendlichkeitszeichen. Ich war neunzehn, und Marco hat Gitarre gespielt. Drei Akkorde, aber mit sehr viel Gefühl. Zwei Monate. Danach hat er die drei Akkorde jemand anderem vorgespielt.
Die Rose hat sechs Stunden gedauert. Das zweite Mal tut mehr weh. Nicht nur wegen der Haut.
(Pause. Der Kunde sagt etwas. Kira hört zu.)
Weil sie gesagt hat, dass sie noch nie jemand so ernst genommen hat. (Leiser.) Okay. Das ist ein guter Grund. Das ist sogar ein sehr guter Grund.
Dann machen wir einen Deal. Du kommst in drei Monaten wieder. Wenn du dann immer noch „Chantal“ willst, mach ich dir das umsonst. Mit Herzchen. Und wenn nicht, dann machen wir was anderes. Was, das nur dir gehört.
(Sie wischt die Schablone mit einem Tuch ab. Der Name verschwimmt.)
Und heute machst du ein Foto von der Schablone und schickst es ihr. Und dann guckst du, was sie antwortet. (Kleines Lächeln.) Daran merkst du mehr als an jeder Nadel.
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