(Ein Wochenmarkt in Berlin, Samstagmittag. Doreen, Mitte vierzig, steht hinter ihrem Obststand. Eine Kundin hat eine Papiertüte Kirschen auf den Tresen gestellt und zeigt hinein.)
Na, wat is denn? Wat ham Se da? (Sie beugt sich vor und schaut in die Tüte.) Een Wurm. Een eenzijer Wurm. Und dafür kommse extra zurück, von der U-Bahn bis hierher, mit de Tüte inne Hand wie mit ’nem Beweisstück?
Junge Frau, det is ’ne Kirsche. Die wächst am Boom. Draußen. Da wohnt der. Der hat sich det nich ausjesucht, dass er bei Ihnen inne Tüte landet. Der wollte ooch bloß seine Ruhe.
(Sie hält die Kirsche gegen das Licht.)
Det is keen Mangel, det is ’n Qualitätsnachweis. Wo ’n Wurm drin is, da is keen Jift druff. Fragense ma im Supermarkt nach ’m Wurm. Da jibt’s keenen. Wissense, warum? Weil da nich ma der Wurm hinwill.
Na jut. Na jut, nu kieken Se nich so. Ick tausch Ihnen die. (Sie schüttet die Kirschen zurück in die Kiste und füllt eine neue Tüte, großzügig.) Da, ’n paar mehr. Für ’n Schreck.
(Pause. Die Kundin sagt etwas. Doreen hält inne.)
Für Ihre Mutter? Im Krankenhaus? (Leiser.) Und die mag Kirschen.
Meine hat ooch Kirschen jemocht. Die hat die Kerne immer vom Balkon jespuckt, uff de Straße, dritter Stock, und hat jezählt, wie weit. Rekord war bis anne Litfaßsäule. Der Hausmeister hat jetobt.
(Sie nimmt die Tüte noch einmal zurück, legt eine Handvoll obendrauf und knickt die Tüte sorgfältig zu.)
Hier. Und sagense Ihrer Mutter, se soll die Kerne nich runterschlucken. Die soll se in so ’ne Schale spucken. Und wenn se wieder zu Hause is, dann vom Balkon.
(Die Kundin will bezahlen. Doreen winkt ab.) Lassense stecken. Jehnse ma. Und nächste Woche kommse wieder. Da ham wa Pflaumen. Da sin keene Würmer drin. (Pause.) Meistens.
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
Ende des Textes

